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RE: [BT] Beste Voraussetzung für die Zukunft

in Pressebereich 31.12.2015 18:34
von A343 | 1.466 Beiträge | 1473 Punkte

Rheinmünster - Zeitenwende am Baden-Airpark: Mit dem Ende der Finanzspritzen durch die Gesellschafter stehen Gewerbepark und Regionalflughafen ab sofort auf eigenen Beinen. "Das ist für uns kein Problem", sagt Geschäftsführer Manfred Jung und verweist im Gespräch mit BT-Redakteur Jürgen Volz auf die hervorragende Infrastruktur, die dank der Anschubfinanzierung von 114 Millionen Euro entstanden ist, sowie auf dauerhafte Gewinne im Flugbetrieb. "Wir haben beste Voraussetzungen für die Zukunft geschaffen", so der Airpark-Geschäftsführer.

BT: Herr Jung, die Unterschriften unter die Fortsetzungsvereinbarung waren letztendlich Formsache, nachdem der Vertrag zuvor ebenso geräuschlos durch die Gremien der in der Beteiligungsgesellschaft als auch im Zweckverband beteiligten Kommunen und Kreise gelaufen war. Hat Sie das in dieser Form überrascht?

Manfred Jung: Nein, ganz und gar nicht. Es haben sich all die Zahlen und Perspektiven für den Flughafen und den Gewerbepark bestätigt, die wir den Gremien im Vorfeld dargelegt hatten. Das in Auftrag gegebene Gutachten der Beratungsgesellschaft McKinsey hat dies lediglich noch einmal bestätigt. Es ist ein klares Signal an die Gesellschafter: Wir sind nun alleine lebensfähig und benötigen keine Finanzhilfen mehr.

BT: Nach der Anschubfinanzierung über 114 Millionen Euro seit dem Jahr 2003 muss der Airpark mit seinem Flughafen jetzt auf eigenen Beinen stehen.

Jung: Das ist richtig, und das tun wir auch - übrigens schon in der Vergangenheit. Wir erzielen Gewinne im operativen Geschäft seit 2004, die Abschreibungen aus den getätigten Investitionen werden uns allerdings noch einige Zeit belasten. Künftige Investitionen, etwa in die Infrastruktur, können wir aus eigener Kraft stemmen. Das kann nicht jeder Regionalflughafen in Deutschland von sich behaupten. Und die Finanzierung, auch das haben wir stets betont, ist laut McKinsey-Gutachten für die nächsten zehn Jahre gesichert, selbst wenn sich die Passagierzahlen nicht so entwickeln sollten, wie wir das erwarten. Außerdem dürfen sich die Mitglieder im Zweckverband weiterhin über Gewerbesteuer aus dem Gewerbepark freuen. Zuletzt waren das im Jahresschnitt in der Summe immerhin 1,5 Millionen Euro. Das Gutachten hat uns überdies bestätigt, dass der volkswirtschaftliche Nutzen von Gewerbepark und Flughafen für die Region bei 200 bis 300 Millionen Euro pro Jahr liegt.

BT: Durch den zeitlich unbefristeten Fortführungsvertrag bleibt der Status quo am Gewerbepark und am Flughafen erhalten, also auch die Zusammensetzung der Gesellschafter. Ist das für Ihre Arbeit wichtig?

Jung: Ja, sicherlich. Aber noch wichtiger ist der Gesellschaftervertrag selbst. Auch er läuft in der bisherigen Form weiter. Hauptgesellschafter bleibt mit zwei Dritteln der Flughafen Stuttgart und mit einem Drittel die Beteiligungsgesellschaft der regionalen Gebietskörperschaften. Die Zusammenarbeit mit dem Flughafen Stuttgart hat sich in der Vergangenheit bewährt. Es profitieren beide Seiten voneinander. Und dass nicht nur alle kommunalen Träger, sondern auch das Land Baden-Württemberg an Bord bleiben, zeigt den hohen Stellenwert, den der Baden-Airpark als Nummer zwei im Südwesten nach Stuttgart hat. Besonders gefreut hat mich persönlich, dass unser Aufsichtsratsvorsitzender Winfried Hermann dies vorbehaltlos anerkennt.

BT: Nach einer kleinen Delle im vergangenen Jahr schafft der Flughafen jetzt wieder die wichtige Marke von einer Million Passagieren. Welche Bedeutung hat diese Zahl?

Jung: Sie ist einerseits eine psychologisch wichtige Marke und andererseits erforderlich, um die Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Mittelfristig wollen wir das Passagieraufkommen natürlich kontinuierlich steigern. Das McKinsey-Gutachten geht von 1,15 Millionen Passagieren bis 2025 aus. Das Potenzial liegt meiner Ansicht nach aber deutlich höher.

BT: Wie wollen Sie den Airport für Fluggäste noch attraktiver machen?

Jung: Das funktioniert neben einer guten Infrastruktur in erster Linie über neue Airlines und neue Flugziele. Wir haben in diesem Jahr beispielsweise mit Turkish Airlines einen Top-Carrier dazugewonnen. Auch die Zusammenarbeit mit der TUI konnte intensiviert werden. 2016 freuen wir uns unter anderem auf Wizz Air mit den Zielen Budapest, Belgrad und Tirgu Mures. Wizz Air ist eine aufstrebende Airline und für Osteuropa das, was Ryanair in Westeuropa ist. Ich verspreche mir viel von dieser Partnerschaft. Und natürlich wird Ryanair mit seinen bekannten Flugzielen für uns eine wichtige Größe bleiben.

Interview

BT: Sie haben die Infrastruktur angesprochen. Sie befindet sich nach Ansicht der Experten von McKinsey in einem ausgezeichneten Zustand.

Jung: Das sehen wir genauso. Dank der finanziellen Unterstützung der Gesellschafter haben wir hier beste Voraussetzungen für die Zukunft schaffen können - wenngleich wir keinen Stillstand möchten, sondern weiter investieren wollen. Im Durchschnitt der letzten Jahre waren das jeweils zwischen drei und vier Millionen Euro. Für 2016 planen wir beispielsweise die Erneuerung der Beleuchtung im zehn Jahre alten Terminal sowie die Anschaffung von fünf Flughafen-Bussen, die wir von Stuttgart gebraucht übernehmen. Und natürlich werden wir auch im Bereich des Gewerbeparks fortlaufend Geld in die Hand nehmen.

BT: Apropos Gewerbepark. Wie ist dort die aktuelle Situation?

Jung: Es geht stetig, wenn auch langsam voran. Bislang haben sich etwa 140 Firmen angesiedelt und es wurden rund 2500 Arbeitsplätze geschaffen. Wir hatten in diesem Jahr einige Neuansiedlungen, wie etwa die Firma Stratasys mit ihrer Europazentrale, die Tankstelle der Firma Hänßel und das Kundencenter der Firma Rauch. Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 rund 3000 Arbeitsplätze im Airpark zu haben. Der Zweckverband hat sich bereiterklärt, ein Förderprogramm für Neuansiedlungen aufzulegen. Trotzdem gibt es immer noch Hindernisse, wie beispielsweise die nicht ausreichende Anbindung des Gewerbeparks an den öffentlichen Nahverkehr. Bislang fahren die Busse lediglich das Flughafen-Terminal an. Aber für Unternehmen ist es wichtig, dass ihre Mitarbeiter den Arbeitsplatz mit dem ÖPNV erreichen können. Es zeigt sich, dass dies etwa für die Neuansiedlung von Dienstleistern ein Standortnachteil ist. Und auf dem Wunschzettel bleibt auch der eigene Autobahn-Anschluss.


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