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RE: [BT] Ryanair sorgt für Aufwind (Großes Interview)

in Pressebereich 08.06.2012 10:47
von A343 | 1.466 Beiträge | 1473 Punkte

Ryanair sorgt für neuen Aufwind

Rheinmünster - Die Jahre der Stagnation sind vorbei: Der Baden-Airport hat wieder die Nase oben. Für frischen Wind unter den Flügeln sorgt vor allem die irische Fluggesellschaft Ryanair, die den Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) zu ihrer vierten deutschen Basis erkoren und das Streckennetz von ehemals sieben auf 19 Destinationen erweitert hat. In den ersten zwei Monaten des Sommerflugplans 2012 hoben in Söllingen so viele Fluggäste ab wie noch nie in der Geschichte des Airports. Mit dessen Geschäftsführer Manfred Jung sprach BT-Redakteur Gerold Hammes.


BT: Herr Jung, der Baden-Airport hat seit 2009 mit 1,1 Millionen Passagieren ein relativ stabiles Verkehrsaufkommen. Im vergangenen Jahr gab es eine kleine Delle und einen Rückgang um 5,6 Prozent. Die Luftverkehrssteuer von 7,50 Euro ins europäische Ausland und 19 Euro für innerdeutsche Flüge wird da wohl auch ihren Anteil und zu Abwanderungsbewegungen geführt haben?

Manfred Jung: Leider ja. Airberlin beispielsweise hat als Folge der Luftverkehrssteuer sein Engagement in Basel ausgebaut. Wir schätzen, dass bis zu fünf Prozent unserer Kunden aus Südbaden auf den Euro-Airport abgewandert sind. Inzwischen aber hat Airberlin dort zumindest seine Berlin-Flüge aufgrund der Kampfpreise von Easy-Jet wieder gestrichen.

BT: Befindet sich der Baden-Airport inzwischen wieder im Steigflug.

Jung: Eindeutig ja. Nach dem Passagierrückgang um zehn Prozent im Winterflugplan als Folge der Unruhen in Ägypten und des Wegfalls der direkten Wien-Linie können wir für April und Mai ein Allzeithoch in der 15-jährigen FKB-Geschichte vermelden. Ich gehe davon aus, dass dies im gesamten Sommerflugplan so weitergeht.

BT: Ryanair hat das Streckennetz um sieben auf nunmehr 19 Destinationen erweitert. Wie sehen die Buchungszahlen aus?

Jung: Ich kenne die im Einzelnen nicht. Ich kann nur sagen: Die Ryanair-Maschinen sind im Durchschnitt zu 70 Prozent ausgelastet. Ausreißer nach unten ist Zadar (Kroatien) mit 50 Prozent, nach oben Porto mit 90 Prozent. Prinzipiell ist die vierte deutsche Basis von Ryanair neben Hahn, Bremen und Düsseldorf-Weeze gut angelaufen. Die Gesellschaft ist mit unserem Groundhandling sehr zufrieden.

BT: Ryanair fliegt inzwischen fünfmal pro Woche die Kanaren an und hat damit TUI diese "Exklusivrechte" genommen, die diese Inselgruppen jahrelang geradezu sträflich vernachlässigt hat. Macht sich das Engagement bezahlt?

Jung: Die Kanaren sind gut angelaufen. Die Verdichtung des Flugplans sorgt für mehr Flexibilität bei den Kunden. TUI hat auf die Konkurrenz insofern reagiert, dass es im Winterflugplan die Kanaren nicht mehr anfliegt. TUI und Thomas Cook, so der aktuelle Trend, ziehen sich aus der Fläche zurück und konzentrieren sich auf die großen Flughäfen.

BT: Nochmals zu Airberlin: Sie hatten vor einem Jahr angedeutet, dass zum Sommerflugplan 2012 täglich zwei Umläufe in das wichtige Drehkreuz Palma de Mallorca in Aussicht gestellt werden. Daraus ist wieder mal nichts geworden.

Jung: Airberlin geht es, wie Sie wissen, wirtschaftlich sehr schlecht. Die Gesellschaft hat die Flotte um über 30 Flugzeuge reduziert. Die fehlen natürlich. Dafür ist Ryanair mit einem täglichen Flug eingestiegen. Wir fliegen nun 19 Mal die Woche Palma an, an fünf Tagen sogar dreimal. Sämtliche Flüge sind bestens ausgelastet. Spanien boomt.

BT: Nach den Unruhen in der arabischen Welt kommen die Tunesien- und Ägypten-Buchungen nicht so richtig in die Gänge. Auch die Griechenland-Urlauber sind verunsichert. Generalstreiks und gewalttätige Massendemonstrationen sind Gift für den Tourismus. Wie macht sich diese Entwicklung für den Baden-Airport bemerkbar?

Jung: Griechenland geht ganz schlecht. Die Reiseveranstalter haben im April Rhodos ganz rausgenommen, die Flüge auf die Inseln Kreta und Kos wurden zeitlich limitiert. Tunesien und Ägypten haben sich inzwischen stabilisiert. Das liegt natürlich an den günstigen Angeboten. Die Maschinen werden über den Preis gefüllt.

BT: Welche weiße Flecken auf der Ferienlandkarte rund ums Mittelmeer würden Sie gerne beseitigen?

Jung: Weiße Flecken sehe ich nicht. In den klassischen Urlaubsdestinationen sind wir vertreten. Die Verdichtung von gut laufenden Strecken ist natürlich immer wünschenswert. Potenziale sehe ich noch mit Split oder Lissabon.

Interview

BT: Kommen wir zu den Städtereisen. Budapest kam neu ins Programm, Wien ist nur noch via Berlin erreichbar, und viele warten sehnlich auf eine Wochenendverbindung nach Prag. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

Jung: Budapest ist prima angelaufen, so dass das Angebot von zwei auf drei Flüge aufgestockt wurde. Mit Riga (Lettland) und Vilnius (Litauen) sind wir erstmals im osteuropäischen Markt vertreten. Die Zahlen sind erfreulich, die Auslastung liegt im Mittel bei 70 Prozent. Prag und Warschau sind natürlich auch ein Thema. Wir sind dran.

BT: Viele Mittelbadener, aber auch der Europapark Rust bedauern die abrupte Streichung der Wien-Verbindungen. Sehen Sie Chancen für eine Wiederbelebung?

Jung: Nach 15 Monaten Aufbauarbeit und kontinuierlich steigenden Fluggastzahlen kam bedauerlicherweise das Aus. Im Juni 2011 hatten wir knapp 8000 Passagiere. Eine Tagesrandverbindung im Sommerflugplan wäre sicherlich wirtschaftlich gewesen. Verhandlungen mit Austrian Airlines und FlyNiki verliefen negativ. Beide sind Töchter der Lufthansa beziehungsweise von Airberlin und dürfen der "Mutter" keine Konkurrenz machen. Und für Ryanair sind die Flughafenkosten in Wien-Schwechat zu hoch.

BT: Die viermal wöchentliche Rom-Verbindung schwächelt immer noch. Kein Wunder bei Abflugzeiten um 16.55 beziehungsweise 18 Uhr.

Jung: Stimmt. Wir haben aber auf die Flugpläne keinen Einfluss. Wir stellen lediglich die Infrastruktur eines Flughafens zur Verfügung.

BT: Welche Entwicklung zeichnet sich für den kommenden Winterflugplan ab?

Jung: Airberlin bietet bisher das gleiche Angebot wie im vergangenen Winter an, als touristisches Ziel also nur Hurghada. Die Türkei wird wohl zweimal die Woche angeflogen. Interessant wird sein, welches Programm Ryanair auflegen wird. Wir hoffen, dass Mallorca dabei ist. Ende Juni wissen wir vermutlich mehr.

BT: Die letzte größere Investition war die Vollautomatisierung des Gepäckausgabesystems und die Vergrößerung des Ankunftsbereichs mit rund fünf Millionen Euro. Welche Aktivitäten sieht die mittelfristige Finanzplanung vor?

Jung: Wir werden in die Energieeffizienz investieren, also in besseren Wärmeschutz unserer 20 Gebäude, in die Optimierung der Heizungsanlagen und in automatisierte Energie-Steuerungen. Da kommen schnell mal ein bis zwei Millionen Euro zusammen.

BT: Der operative Gewinn der Baden-Airpark GmbH betrug 2010 über fünf Millionen Euro. Wie schloss das vergangene Jahr ab, und was erwarten Sie für das laufende Geschäftsjahr?

Jung: 2011 waren es 4,8 Millionen, und dieses Jahr wollen wir wieder auf über fünf Millionen Euro kommen.

Autobahnanschluss

ist notwendig

BT: Der Aufsichtsratsvorsitzende des Baden-Airparks, Verkehrsminister Winfried Hermann, zählt nicht gerade zu den flammenden Verfechtern der Luftfahrt. Zu Jahresbeginn hat das Land den Zuschuss von 350000 Euro für Personalkosten bei der Flugsicherung gestrichen. Das schlägt sich sicherlich negativ in der Bilanz nieder?

Jung: Das war eine politische Entscheidung, und mit dieser muss ich leben. Jetzt müssen wir schauen, wie wir dieses Geld anderweitig verdienen.

BT: Ein trauriges Kapitel ist der A5-Anschluss des Airparks. Die Kosten für die Variante 1 über Halberstung/Schiftung wurden ursprünglich mal auf zwölf Millionen Euro geschätzt. Jetzt sind es auf einmal 25,2 Millionen, wobei rund die Hälfte in ökologische Ausgleichsmaßnahmen fließen soll. Und das für gerade mal 1,3 Kilometer Neubaustrecke. Inzwischen wird eine weitere Alternative wenige Hundert Meter südlich der Ausfahrt Baden-Baden geprüft. An der Notwendigkeit einer Autobahnanbindung kann angesichts der hohen Belastung der Bürger in Hügelsheim und Rheinmünster ja kein Zweifel bestehen.

Jung: Die Notwendigkeit eines Autobahnanschlusses ist unbestritten. Das Land und die Region müssen sich auf eine Variante einigen und die finanziellen Mittel bereitstellen.

BT: Zum Schluss ein Ausblick: Welche Passagierzahlen erwarten Sie dieses Jahr, und wann wird eine Erweiterung des Terminals notwendig?

Jung: Wir rechnen in diesem Jahr mit 1,25 Millionen Passagieren. Wenn wir 1,5 Millionen erreicht haben und diese Zahl stabilisieren können, werden wir uns der Erweiterung des Terminals nördlich des bestehen widmen. Es wird ein zweigeschossiges Gebäude sein mit einem Abfertigungsbereich für die Non-Schengen-Flüge sowie einer Besucherterrasse mit Gastronomiebereich. Die Kosten sind mit zehn Millionen Euro ermittelt. Im Jahr 2020 könnten wir vielleicht die Schallmauer von zwei Millionen Kunden durchfliegen. Diese Prognose stellte ein Gutachter im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens. Bisher - darauf darf ich abschließend verweisen - haben wir alle unsere Zwischenziele erreicht.


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