#1

RE: [BT] Turbulenzen erfassen auch den Baden-Airport (Interview)

in Pressebereich 27.03.2013 14:35
von A343 | 1.466 Beiträge | 1473 Punkte

Ich kann jetzt schon mal sagen, nichts gut für FKB und kein Terminalausbau!



Rheinmünster - Die wirtschaftlichen Turbulenzen in der Luftfahrt konnte auch der Baden-Airport nicht umfliegen. Air Berlin stellte die Hamburg-Linie ein, der Nachfolger OLT ging pleite, jetzt versucht sich die Intersky. Auch der größte Carrier am Platz, Ryanair, dünnte das Angebot aus oder gab Verbindungen ganz auf. Ebenfalls nicht mehr sonderlich gefragt aufgrund der unsicheren politischen Lage sind Ägypten, Tunesien oder Griechenland. Die Folge: Im laufenden Betriebsjahr erwartet der Baden-Airpark-Geschäftsführer Manfred Jung einen Passagierrückgang von 15 Prozent. Mit ihm unterhielt sich BT-Redakteur Gerold Hammes.
BT: Herr Jung, der Winter war unberechenbar und kein wirkliches Vergnügen für die Menschen. Diese Stimmung spiegelte sich vermutlich auch im Winterflugplan 2012/2013 wider. Zunächst eine weitere Strecken-Ausdünnung, dann die Streichung der Hamburg-Linie durch Air Berlin und als negativer Höhepunkt der wirtschaftliche Absturz von OLT. Was kann Sie als Geschäftsführer eines Regionalflughafens eigentlich überhaupt noch schocken?


Interview

Manfred Jung: Der Wegfall der Kanarenflüge der Touristikveranstalter war für die Menschen in der Region nicht nachvollziehbar und für uns schmerzhaft. Wir konnten auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin vor drei Wochen aber die Weichen neu stellen. Vermutlich werden die Reiseveranstalter im kommenden Winterflugplan einmal wöchentlich wieder Gran Canaria und Teneriffa anbieten. Die Insolvenz von OLT schmerzt auch deshalb, weil da noch 200 000 Euro offenstehen. Umso erfreulicher ist, dass die Fluggesellschaft Intersky ab 9. April die Hamburg-Strecke bedient und mit drei täglichen Flügen sogar in einer besseren Qualität für den Geschäftsreisenden. Die Unberechenbarkeit in unserem Geschäft ist auch das Spannende. Insofern: Business as usual.

BT: Der Flughafenverband ADV sieht die kleineren Flughäfen zunehmend in Turbulenzen fliegen. 2013, so die Prognosen, würde nur noch eine Handvoll der 22 international klassifizierten Verkehrsflughäfen ein positives Nettoergebnis erwirtschaften. Gehört der Baden-Airport dazu?

Jung: Der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden gehört nicht dazu. Auch die EU-Kommission hat erkannt, dass Flughäfen mit weniger als fünf Millionen Passagieren nicht alle Investitionen in die Infrastruktur selbst erwirtschaften können. Wir haben 2012 mit fünf Millionen Euro zwar ein positives operatives Ergebnis erwirtschaftet, bei einer Abschreibung von acht Millionen Euro kommt dann aber eben ein Netto-Ergebnis von drei Millionen Euro minus heraus.

BT: Man könnte auch sagen: Es gibt mit 22 internationalen Flughäfen in Deutschland deren zuviel.

Jung: Fakt ist: Es gibt eine starke Konkurrenz unter den Luftverkehrsgesellschaften und den Flughäfen. Diese lässt keinen Spielraum für Preiserhöhungen. Vom Markt verschwunden ist bislang aber noch kein Airport. Im Gegenteil: Mit Kassel-Calden geht am 4. April ein 23. an den Start.

BT: Kommen wir zu den aktuellen Ereignissen: Air Berlin ist und bleibt wohl bis auf Weiteres ein Sanierungsfall. Das Management wäre beim Jahresergebnis 2013 bereits mit einer schwarzen Null vor Steuern und Zinsen zufrieden. 900 Arbeitsplätze sollen auf der Streichliste stehen. Das Unternehmen setzt auf seine vier Drehkreuze in Berlin, Düsseldorf, München und Palma und auf Dauer wohl nur noch auf die großen und mittelgroßen Flughäfen.

Jung: Diese Gefahr sehe ich für den Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden nicht, weil wir mit unseren Berlin- und Mallorca-Verbindungen genau in diese Drehkreuze fliegen. Für die Auslastung der Maschinen braucht Air Berlin auch die Kunden aus der Fläche.

BT: Aber zusätzliche Verbindungen mit Air Berlin wird es auch nicht geben?

Jung: Man soll nie nie sagen, aber in den kommenden drei Jahren sehe ich mit dieser Airline keine neuen Ziele. Und wer weiß, wie die Eigentümerstruktur dann aussieht und welche Unternehmensziele Air Berlin dann verfolgt.

BT: Kommen wir zum größten Carrier auf dem Platz. Im März 2012 nahm Ryanair auf dem Baden-Airport ihre vierte Basis in Betrieb. Das Streckennetz wurde von zwölf auf 19 Verbindungen ausgebaut. Heute, ein Jahr später, sind Riga (Lettland), Vilnius (Litauen) und Budapest schon nicht mehr im Programm. Gran Canaria und Teneriffa werden nur noch einmal statt zweimal wöchentlich angeflogen. Es gehört wohl zum Geschäftsmodell von Ryanair: Mit großem medialen Brimborium neue Strecken ankündigen, die dann ein Jahr später zum Teil nicht mehr bedient werden. Nachhaltigkeit sieht anders aus.

Jung: Ryanair reagiert sehr viel schneller auf sich verändernde Marktbedingungen als die Mitbewerber. Die Linie nach Budapest wurde eingestellt, weil der neue Flughafenbetreiber die Entgelte verdoppelt hat. Die Spanier haben ihr Zuschussprogramm reduziert, worauf einige Airlines, darunter auch Ryanair, ihr Engagement zurückgefahren haben. Auf der anderen Seite haben wir mit Marrakesch ein neues Ziel. Die Marokkaner wollen in den nächsten Jahren ihr touristisches Angebot verdoppeln.

BT: Nicht so richtig flügge werden möchte die Rom-Verbindung, was auch nicht sonderlich überrascht. Die gerade mal drei Abflüge pro Woche erfolgen um 17.55 beziehungsweise 21.40 Uhr. Für Städtereisende keine attraktiven Zeiten.

Jung: Auch wir würden uns attraktivere Flugzeiten wünschen. Aber diese Entscheidung treffen nun mal die Luftverkehrsunternehmen, da diese auch das wirtschaftliche Risiko tragen.

Terminalerweiterung vorerst kein Thema

BT: Halbiert wurden im neuen Sommerflugplan die Verbindungen auf die Insel Kos und nach Hurghada. Teneriffa wird nur noch zwei- statt dreimal bedient, ganz rausgeflogen ist Djerba. Der "Arabische Frühling" kommt wie bei uns der meteorologische auch nicht auf Touren, und Griechenland ist weiterhin ein unsicherer Kantonist.

Jung: Stimmt alles. Die politische Lage in der arabischen Welt sorgt für Verunsicherung. Der Kunde reagiert auf Demonstrationen oder Ausschreitungen sofort, auch wenn die Feriengebiete davon nicht betroffen sind und als sicher gelten. Bei den Griechenland-Reisen sind die Reiseveranstalter inzwischen wieder optimistischer gestimmt.

BT: Wenn Sie den Sommerflugplan 2013 analysieren, dann rechnen Sie mit wie vielen Passagieren?

Jung: 2012 hatten wir 1,29 Millionen Passagiere, in diesem Jahr rechne ich mit 1,1 Millionen. Was wir von 2011 auf 2012 gewonnen haben, verlieren wir also wieder. Grob gerechnet erwarten wir im Sommerflugplan einen Passagierrückgang von rund zehn Prozent, auf das ganze Jahr gerechnet von 15 Prozent.

BT: Damit ist auch eine Terminalerweiterung derzeit kein Thema?

Jung: Richtig. Die Erweiterung war ab einem Passagieraufkommen von 1,5 Millionen Fluggästen geplant, das wir 2015 erreichen wollten. Dieses Ziel ist derzeit nicht realistisch.

BT: Ryanair hat einen Marktanteil beim Passagieraufkommen auf dem Baden-Airport von 55 Prozent. Jetzt sind die Iren wieder nach Straßburg zurückgekehrt. Das wird bei Ihnen sicherlich keine Glücksgefühle ausgelöst haben?

Jung: Auch Sun-Express operiert nun von Straßburg aus und bedient die türkischen Urlaubsziele. Wir werden sehen, wie sich das auf Karlsruhe/Baden-Baden auswirken wird. Tatsache ist, dass die Luftverkehrsabgabe in Deutschland mit 7,50 Euro netto pro Person in grenznahen Regionen wie unserer zu einer eklatanten Wettbewerbsverzerrung führt. Dass es eine Regierung in Berlin gibt, die sie wieder abschafft, ist nicht zu erwarten. Eher wird die 1920 eingeführte Sektsteuer zur Finanzierung der kaiserlichen Flotte gekippt.

BT: Was steht an technischer beziehungsweise infrastruktureller Aufrüstung auf dem Baden-Airport in diesem Jahr an?

Jung: Wir sind technisch auf einem sehr hohen Stand und konzentrieren uns derzeit auf die Instandhaltung unserer Anlagen. Die ehemalige Turnhalle der Kanadier, die später als Diskothek "Village" genutzt wurde, haben wir abgerissen. Die Fläche dient als Option für weitere Parkplätze.

BT: Wie entwickeln sich die Arbeitsplatzzahlen im Airpark?

Jung: Positiv. Wir haben heute 2200 Arbeitsplätze in 140 Firmen. Und wir haben noch 60 Hektar freie Fläche zur Verfügung.

BT: Sind alle Arbeitsplätze auf dem Flughafen nach den eben geschilderten Entwicklungen beziehungsweise Erwartungen sicher, und wie viele gibt es momentan?

Jung: Die rund 200 Arbeitsplätze bei der Baden-Airpark GmbH sind auf absehbarer Zeit sicher. Wir haben für den Sommerflugplan sogar 15 Mitarbeiter neu eingestellt, um unsere Abhängigkeit von externen Dienstleistern zu reduzieren.


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#2

RE: [BT] Turbulenzen erfassen auch den Baden-Airport (Interview)

in Pressebereich 28.03.2013 19:39
von Anonymous

Ich wäre letztes Jahr gerne vom FKB nach Antalya geflogen. Leider hätte ich pro Person 70? mehr als von Stuttgart zahlen müssen, darum habe ich den etwas weiteren Weg in Kauf genommen. Sollte es weiter so sein, daß FKB teurer als z. B. Stuttgart ist, werde ich wieder so vorgehen. Letzlich habe ich nix zu verschenken.
Straßburg könnte auch noch eine Option werden. Alles eine Sache des Preises.


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