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RE: [BT] "Trotz der kleinen Delle: Wir liegen voll im Plan&

in Pressebereich 20.02.2014 14:45
von A343 | 1.466 Beiträge | 1473 Punkte



Rheinmünster - Kaum ein Regionalflughafen in Deutschland kann sich dem Abwärtstrend mit abwandernden Fluggesellschaften und sinkenden Passagierzahlen entziehen. Auch am Flughafen Karlsruhe / Baden-Baden (FKB) folgte einem Rekordjahr 2012 zuletzt die Ernüchterung. Ausgerechnet in dieser schwierigen Situation endet die zehnjährige Ausbauphase des FKB durch die Betreibergesellschaft Baden-Airpark GmbH. Jetzt soll das Beratungsunternehmen McKinsey neue Perspektiven aufzeigen. BT-Redakteur Jürgen Volz unterhielt sich mit Airpark-Geschäftsführer Manfred Jung über aktuelle Entwicklungen und die Zukunft des Flughafens.

BT: Herr Jung, die Regionalflughäfen leiden unter sinkenden Passagierzahlen. Wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung ein?

Manfred Jung: Grundsätzlich finde ich das dezentrale System des Luftverkehrs in Deutschland mit einer Reihe von Regionalflughäfen gut. Regionalflughäfen sind mit ihrem Angebot nah am Kunden. Auch unter Umweltgesichtspunkten haben Regionalflughäfen Vorteile. Sie sorgen dafür, dass beispielsweise Lärmbelastungen besser verteilt werden. Auf der anderen Seite brauchen Regionalflughäfen natürlich Kunden, also Fluggesellschaften, die ein möglichst breites Angebot gewährleisten. Zuletzt haben Airlines wie Ryanair oder Air Berlin ihr Angebot aber aus unterschiedlichen Gründen reduziert. Die Luftverkehrsabgabe, die die Flugtickets in Deutschland verteuert, spielt dabei sicherlich eine wesentliche Rolle. Sie ist und bleibt unsinnig und führt zu einem Wettbewerbsnachteil insbesondere für uns grenznahe Regionalflughäfen.

BT: Aber was können Sie in der jetzigen Situation ganz konkret für den Flughafen Karlsruhe / Baden-Baden tun?

Jung: Wir brauchen wieder mehr neue Kunden, also Fluggesellschaften und Passagiere. Und daran arbeiten wir auch mit Nachdruck. Wichtig ist es, Airlines an den FKB zu locken, die einen gewissen Bekanntheitsgrad mitbringen. So, wie das jetzt mit Germanwings der Fall ist, die ab Ende März die Strecke nach Hamburg übernimmt. Hier sind übrigens die Vorausbuchungen schon so gut, dass anstelle von ursprünglich zwei geplanten Verbindungen sogar schon drei pro Tag angeboten werden. Auch Germania hat mit ihrer Moskau-Strecke zweifellos ein gutes Produkt. Darauf lässt sich für die Zukunft aufbauen. Wir führen permanent Gespräche mit Fluggesellschaften über mögliche neue Angebote. Ich persönlich rechne im kommenden Jahr wieder mit einer Million Fluggäste. Wobei man allerdings berücksichtigen muss, dass Fluggesellschaften, die an den FKB kommen, das wirtschaftliche Risiko ihrer Angebote selbst tragen. Wir als Flughafenbetreiber haben darauf keinen Einfluss. Das unterscheidet uns ganz wesentlich von anderen Airports, die auch in das Flugrisiko investieren dürfen.

BT: Können Sie schon etwas zum Ergebnis 2013 des Airports sagen?

Jung: Wir haben ein positives Ergebnis aus dem Geschäftsbetrieb von rund drei Millionen Euro erwirtschaftet. Das lässt uns einen gewissen finanziellen Spielraum. Damit können wir beispielsweise Ersatzinvestitionen aus eigener Kraft stemmen. Allerdings: Bei Abschreibungen in Höhe von etwa acht Millionen Euro bleibt unterm Strich ein negatives Jahresergebnis von knapp fünf Millionen Euro.

BT: Die Airpark-Gesellschaft hat die Beratungsfirma McKinsey & Company ins Boot geholt, um sich Entwicklungschancen und Handlungsoptionen für die Zukunft aufzeigen zu lassen. Was erhoffen Sie sich davon?

Jung: Es geht den Gesellschaftern und mir im Wesentlichen um zwei Aspekte: zum einen um die Entwicklung des Flughafens, auch im Vergleich zu Mitbewerbern und der Luftfahrtbranche insgesamt. Zum anderen soll das Gutachten uns helfen, positive volkswirtschaftliche Effekte des Flughafens für die Region darzustellen und damit aufzuzeigen, dass der Flughafen durchaus eine öffentliche Aufgabe ist. Wir wissen beispielsweise, dass rund 20 Prozent der Passagiere beruflich oder weil sie Urlaub in der Region machen, über den FKB hierher kommen. Geht man davon aus, dass sie im Durchschnitt drei Tage bleiben und etwa 100 Euro am Tag für Übernachtungen, Essen und anderes ausgeben, dann sind das rund 30 Millionen Euro an Kaufkraft, die über den Flughafen in die Region fließen. Das ist, denke ich, eine beachtliche Summe.

Interview

BT: Der FKB steht in Konkurrenz mit einer Reihe weiterer Regionalflughäfen im Umkreis von 100 Kilometern, die allesamt um Passagiere buhlen. In Mannheim etwa wird der Flughafen von der Wirtschaft im Rhein-Neckar-Raum mit einer eigenen Fluglinie reaktiviert, und in Lahr halten Unternehmen wie Herrenknecht oder Hansgrohe den Flugbetrieb aufrecht. Würden Sie sich ein solches Engagement auch von der hiesigen Wirtschaft wünschen?

Jung: Ein Modell, wie es derzeit in Mannheim beispielsweise von der Firma BASF gefördert wird, hatten wir mit der Baden-Air von Manfred Schmider vor vielen Jahren auch schon an unserem Flughafen. Ich glaube aber, dass solche Modelle endlich sind, also zeitlich begrenzt. Sie dauern so lange an, solange die Wirtschaft sie finanziert. Letztlich halte ich so etwas nicht für zielführend. Wobei die regionale Wirtschaft durchaus einen Flughafenbetrieb unterstützen kann, wenn sie nämlich die Angebote, die es dort gibt, nutzt. Im Fall unseres Flughafens tut sie dies auch in einem nicht unerheblichen Maß. Für Germanwings war beispielsweise der Aspekt der Geschäftsreisen ganz wesentlich für die Entscheidung, im März die Strecke nach Hamburg zu übernehmen. Im Übrigen ist die Geschäftsfliegerei schon heute am FKB nicht ganz unbedeutend. Ich denke da an die Deutsche Rettungsflugwacht, die hier eine Basis hat, oder auch an die Polizei-Hubschrauberstaffel.

BT: Dauerthema für den Baden-Airpark ist eine bessere Verkehrsanbindung. Ein Autobahnanschluss wird von Betreibergesellschaft und Geschäftsführung als ganz wesentlich für die Fortentwicklung gesehen.

Jung: Ohne Zweifel wäre eine solche Anbindung ein großer Schritt nach vorne für den gesamten Airpark, nicht nur für den Flughafen. Ich bin optimistisch, dass noch vor der Kommunalwahl im Mai das Planfeststellungsverfahren für den Autobahnanschluss eingeleitet wird.

BT: Sie haben gerade betont, dass der Baden-Airpark nicht allein aus dem Flughafen besteht. Wie gestaltet sich denn die Entwicklung auf dem gesamten Areal?

Jung: Es ist immer etwas im Fluss auf dem Gelände. Wer auf das Abflug- und Ankunftsterminal zufährt, der sieht dort gerade einen großen Firmenneubau entstehen. Wir haben dahingehend permanent Anfragen und noch genügend Platz für weitere Ansiedlungen oder Erweiterungen bestehender Unternehmen. Momentan haben wir rund 130 Firmen auf dem Airpark und etwa 2200 Arbeitsplätze. Ich halte eine behutsame, aber kontinuierliche Entwicklung des riesigen Areals für durchaus angemessen.

BT: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welche Neuansiedlung würde Ihnen besonders am Herzen liegen?

Jung: Schön wäre es, wenn sich ein Investor finden ließe, der sich für eine - ich nenne es mal Marktplatzsituation - gegenüber dem Terminal engagieren würde. Also eine Mischung aus Einkaufen und Verweilen. Das wäre nicht nur für die Fluggäste von Nutzen, sondern auch für die Beschäftigten hier am Airpark.

BT: In diesem Jahr endet die zehnjährige Ausbauphase des Airparks. Die Gesellschafter haben in dieser Zeit rund 100 Millionen Euro bereitgestellt. Muss sich der Flughafen ab sofort selbst tragen - kann er das überhaupt mit Blick auf die bisherigen betriebswirtschaftlichen Ergebnisse?

Jung: Wir liegen aktuell voll im Plan. Natürlich sind zuletzt die Erwartungen deutlich gestiegen, weil es am Airport so gut lief, etwa mit Blick auf die Passagierzahlen. Wenn ich daran erinnern darf, dass die Beratungsfirma Boston Consult ursprünglich davon ausgegangen war, dass der Flughafen im Jahr 2011 erstmals operativ schwarze Zahlen schreiben werde, dies tatsächlich aber schon seit 2004 so ist, dann ist vieles besser gelaufen als erwartet. Auch wenn es nun die eine oder andere kleine Delle gibt, so sind wir doch insgesamt sehr gut aufgestellt. Alle großen Investitionen, die wir uns vorgenommen hatten, sind ausgeführt und durchfinanziert. Mit unseren operativen Ergebnissen der letzten Jahre haben wir uns entsprechende Spielräume geschaffen. Erst wenn die Passagierzahlen deutlich steigen sollten und wieder größere Investitionen erforderlich würden, wären die Gesellschafter gefordert.


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